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MEISTERKONZERT
WDR 3 Kammerkonzert in NRW

Maurice Ravel hat wunderbare Kammermusikgeschrieben, leider jedoch lediglich ein Klaviertrio – wenngleich schon seit 1898 diese Idee durch seine Gedanken geisterte, angeregt durch die Vorlage von Camille Saint-Saens. Im Frühjahr 1914 schließlich zog sich Ravel zum Komponieren nach Saint Jean de Luz zurück, einen kleinen Ort im Baskenland unweit seines Geburtsortes Ciboure. Deutlich ist die baskische Einfärbung zu hören, die Melodien waren Ravel durch die Lieder seiner Mutter von Kindheit an vertraut. Wie aus einer Schatzkammer kann er die Melodien, die Rhythmen, die Modulationen und Stimmungen für seine eigenen Kompositionen heben und verarbeiten. Inspirationen aus anderen Ländern, um die Jahrhundertwende vor allem aus Asien, spielten eine wichtige Rolle in der Ton- und Dichtkunst in Frankreich. So ist der zweite Satz des Trios „Pantoum“ überschrieben und bezieht sich damit auf eine malaiische Versform, um die Jahrhundertwende vor allem bei französischen und englischen Dichtern beliebt und von Victor Hugo und Charles Baudelaire „populär“ gemacht. Deren verschachteltes Reimschema hat Ravel auf musikalische Motive übertragen, woraus eine musikalische Assoziationskette und besondere Rhythmisierung entsteht. Wenngleich das Klaviertrio am Beginn einer neuen Epoche entstand – Ravel schrieb die letzten Noten vier Tage nach der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich – ist das Werk eine Rückbesinnung. Vielleicht eine bewusste Entscheidung dem aufgeregten Flirren in den Wochen vor Kriegsausbruch eine Konstante entgegenzusetzen. Trotz der Kriegshandlungen gelangte das Werk bereits im Januar 1915 in der Salle Gaveau in Paris zur Uraufführung und ist heute zum meistgespielten Klaviertrio des 20. Jahrhunderts geworden.

Olivier Messiaens „Quartett auf das Ende der Zeit“ ist direkt von den Erlebnissen des Komponisten im zweiten Weltkrieg beeinflusst. Er komponierte das Werk 1940 in deutscher Kriegsgefangenschaft in Görlitz; ein Offizier hatte ihm Notenpapier und Stifte zur Verfügung gestellt. Die Instrumentalbesetzung ergab sich aus den möglichen „Mitspielern“ bzw. Mithäftlingen: Olivier Messiaen am Klavier, Jean Le Boulaire an der Violine, Etienne Pasquier am Cello und Henri Akoko spielte Klarinette. HINFORT SOLL KEINE ZEIT MEHR SEIN – diesen zentralen Satz aus der Offenbarung des Johannes transzendiert Olivier Messiaen in seiner Komposition. Die vier Instrumente werden in den acht Sätzen immer wieder anders zusammengeführt von markanten Solosätzen für Klarinette oder Violoncello, zeitdehnenden Duos von Violine und Klavier oder rhythmischen Klangkaskaden, in denen alle vier Instrumente vereint sind. In den Anmerkungen zu seiner Komposition hat Messiaen synästhetische Ansätze verarbeitet: Er umschreibt Klänge oder Klangvorstellungen mit Farben, es soll „blau und malvenfarbig“ klingen oder „goldfarben und grün… doch alles beherrscht von einem eisigen Grau“. Die acht Sätze tragen sehr bildsprachliche Titel. So beginnt das Quartett mit einer „Kristallenen Liturgie“, die Klarinette spielt einen Solosatz mit dem Titel „Abgrund der Vögel“, alle vier Instrumente kommen in Sätzen wie „Tanz des Furors, für die sieben Posaunen“ und „Gewühle von Regenbogen, für den Engel, der das Ende der Zeit ankündigt“ zusammen. Messiaens „Quartett auf das Ende der Zeit“ ist ein unglaublich inspirierendes Musikstück, ein kompositorischer Meilenstein des 20. Jahrhunderts. Musiker und Zuhörer gleichermaßen erleben im Konzert eine einmalige musikalische Reise, die große Suggestionskraft entwickeln kann.

Der „Wahlfranzose“ Max Ernst würde sich bestimmt über das frankophile Programm freuen.



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